Zum Gestaltungswettbewerb für das Sinti und Roma Holocaust-Mahnmal wurden jetzt fünf Künstler*innen aus europäischen Nachbarländern eingeladen. Sie sind aufgefordert, bis Ende Oktober einen Entwurf für einen einzigartigen Erinnerungsort im Herzen von Hannover einzureichen. Ihre Aufgabe: Gestaltung des zentralen Gedenkortes auf dem Opernplatz und Rathenauplatz. Mit zwei Mahnmalen soll erstmalks eine sichtbare Verbindung zwischen zwei Völkermorden entstehen: dem Holocaust an der jüdischen Bevölkerung Hannovers und dem Holocaust an den Sinti und Roma aus Hannover und Niedersachsen.
Ausgewählt wurden renommierte Künstlerinnen, die bereits erfolgreich auf großen internationalen Ausstellungen vertreten waren, eine besondere Beziehung zur Kultur der Sinti und Roma haben und bereits Mahnmale gestaltet haben. „Das Mahnmal des Italieners Pistoletto hat eine internationale und herausragende Stellung, deshalb ist die Gestaltung des neuen Mahnmals eine Herausforderung, die dem entsprechen soll,“ erläutert Michael Buckup, Vorsitzender des Fördervereins. Als Förderverein in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt, der Region Hannover und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur sei es möglich, gezielt und in einem geschlossenen Verfahren Künstlerinnen einzuladen, das verkürze die Dauer des Wettbewerbs erheblich, so der Vorsitzende.
„Wir haben lange dafür gekämpft und freuen uns über die breite Zustimmung. Ganz besonders danken wir Michael Fürst, der von Anfang an unsere Idee unterstützt hat und sich für den Standort ausgesprochen hat“, betonte Regardo Rose, Initiator des Projekts und Sinto aus Hannover. Auch Michael Fürst begrüßte den wichtigen Schritt zur Realisierung des Mahnmals. „Es hat 80 Jahre gedauert, bis auch für die Sinti in Niedersachsen ein Ort der Erinnerung entsteht. Der Platz ist wie kein anderer geeignet, denn es entsteht eine Achse zwischen beiden Mahnmalen. Für Juden wie Sinti galt: weder die einen noch die anderen konnten sich vor dem Völkermord schützen.“ Jetzt sei die Zivilgesellschaft gefordert, um diesen einzigartigen Erinnerungsort zu realisieren, so Michael Fürst.
In einem Grußwort des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma würdigten der Vorsitzende Romani Rose und sein Stellvertreter Oswald Marschall, dass Landeshauptstadt und Region das Vorhaben unterstützten und sich so offen mit der Geschichte auseinandersetzten. Das Mahnmal sei nicht nur ein Zeichen der Erinnerung, sondern auch ein Zeichen, Verantwortung sichtbar anzunehmen. Das Projekt habe Bedeutung weit über Hannover hinaus und könne auch in anderen Städten zeigen, dass die Erinnerung an die Opfer des Völkermordes an den Sinti und Roma einen festen Platz im öffentlichen Raum haben müsse.
Welche Ideen und Antworten die eingeladenen Künstler*innen auf diese besondere Herausforderung gefunden haben, soll in einer Ausstellung Anfang November zusammen mit dem siegreichen Wettbewerbsbeitrag der Öffentlichkeit präsentiert werden.