Die Stimme der Abwesenden - Gedanken der Künstlerin

Von der Geschichte zur Erinnerung

„Die Stimme der Abwesenden“ ist ein Mahnmal für die Sinti und Roma aus Hannover und Niedersachsen, die während der Nazi-Herrschaft Opfer von Verfolgung und Völkermord wurden. Es ist der Versuch, denen wieder Gegenwart zu geben, deren Leben brutal abgebrochen wurde und deren Geschichten lange Zeit am Rand des kollektiven Gedächtnisses blieben. Das Projekt erwächst aus dem Nachdenken über Verlust, Leid und Abwesenheit, aber auch über unsere Verantwortung für die Erinnerung an Menschen, deren Schicksal Teil der gemeinsamen Geschichte Europas werden muss.

Erinnerungsort2026Der Völkermord an den Sinti und Roma war die Folge der nationalsozialistischen Rassenideologie, die auf Rassismus, Vorurteilen und der Überzeugung von der Überlegenheit einer Menschengruppe über andere beruhte. Die Nationalsozialisten erklärten diese Gemeinschaften für rassisch und sozial „minderwertig“.

Im Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler die Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau an; ab Februar 1943 wurden Tausende Menschen dorthin verschleppt. Die Häftlinge wurden ihres Besitzes beraubt, registriert und mit Nummern gekennzeichnet. Sie litten unter Hunger, Krankheiten, Gewalt und unmenschlichen Bedingungen. Viele starben, andere wurden ermordet. Unter den Opfern waren ganze Familien, Kinder und alte Menschen.

Der Völkermord zeigt, dass ein Genozid nicht erst mit dem Massenmord beginnt. Er kann sich schrittweise entwickeln – von Vorurteilen und Entmenschlichung über die Einschränkung von Rechten, die Erfassung und Isolierung einer Gruppe bis zur Deportation und physischen Vernichtung. Diese Geschichte erinnert daran, wie gefährlich Rassismus, systematische Ausgrenzung und Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen werden. Deshalb braucht es einen Ort der Erinnerung, der nicht nur an historische Ereignisse erinnert, sondern auch ihre menschliche Dimension spürbar macht – den Verlust, die Stille und die Gegenwart derer, die nicht mehr da sind.